Bratwurst miiiiiiit SEEEENF!!! oder: Die Angst vor dem Siegen

Noch immer fix und fertig melde ich mich heute mit dem Bericht vom 4. Ligaspiel. Hochmotiviert trafen wir uns am 07.08.2018 in Schkeuditz, die Uhr zeigte ca. 19:17 Uhr. Draußen röhrten die Motoren der DHL-Maschinen am Flughafen, drinnen herrschte Schallwellenüberflutung durch extrem laute Musik in einer sehr hohen Halle – Gespräche führen: zwecklos, sich anbrüllen zum Informationsaustausch: notwendig.

Die Daheimgebliebenen wünschten sich einen Liveticker – ihr Wunsch war mir Befehl (ob das komplette Geschehen wohl jemals veröffentlicht wird?)

Unsere 6 Recken in grau-orange spielten sich warm, die mitgereisten Fans im Alter zwischen Ü5 und U50 verfolgten das Geschehen zunächst sitzend.Doch schon im ersten Satz hielt es niemanden auf den Sitzen. Mit extremer Spannung, tollen Ballwechseln, Glück und Pech sehr gleichmäßig über Gast und Gastgeber verteilt ging der 1. Satz tatsächlich an uns! Das lag garantiert am neuen Schlachtruf: Bratwurst miiiiit Seeeenf! (wahlweise gab es statt Senf auch Sauerkraut). Jedenfalls schwappte eine große Welle Spaß ins Auditorium und auch die Beschallung, die in voller Lautstärke bei den Punkten der Gastgeber über uns hereinbrach, störte unsere Konzentration nicht.

Den zweiten Satz, dem ersten an Qualität und Dramatik in nichts nachstehend, holten sich die Gastgeber, den dritten wieder wir. Und den vierten? Ihr dürft raten! Richtig! Die Gastgeber, obwohl wir mehrere Satzbälle abwehren konnten. Als unsere Achillesferse kristallisierte sich allmählich unsere Feldmitte heraus, die gerade im 4. Satz immer wieder Opfer gezielter gegnerischer Angriffe geworden war. Da sich von uns über weite Strecken niemand auf Position 6 aufhielt, klatschte die Kugel dort gnadenlos auf den Boden, was unweigerlich die Anzahl der Punkte nach oben trieb, nur eben auf der falschen Seite der Anzeigetafel.

Der Tiebreak startete dann vielversprechend mit einer satten Führung für uns, doch dann war sie wieder da, unsere Teamkrankheit namens Autonikephobie (frei aus dem griechischen übersetzt soviel heißend wie: Die Angst vor dem eigenen Sieg). Schneller als ein Maulwurf zwinkern kann, herrschte Gleichstand – Seitenwechsel – Angriffe auf unsere („unbesetzte“) Position 6, unsere Aufgaben im Aus… Ihr erratet, was nun folgt. Nach ungefähr 2 Stunden war unser Widerstand gebrochen.

Bei aller Tragik zum Schluss – eines steht fest: Mit lediglich 6 Leuten haben wir unglaublich hart gekämpft, manchmal gezaubert, manchmal geschlafen, aber insgesamt eine absolut sehenswerte Mannschaftsleistung abgeliefert. Das Feld blieb frei von Meckern, Motzen und Mobben, wir waren ein Team und hatten Spaß. Das Ergebnis? Typisch, aber zweitrangig.

Vielleicht gibt es ja eine Therapie gegen Autonikephobie? Geeignete Therapeuten dürfen sich bei uns melden!

In diesem Sinne – sammelt Kraft für die nächste Aktion, denn wenn wir schon verlieren, dann mit Anstand, Würde – und Bratwurst mit Senf!!